„Rostocker Pflegepfad“: Pflegeversorgung für Rostock bis 2040
Rostock (HRPS) • Mit dem „Rostocker Pflegepfad“ legt die Hanse- und Universitätsstadt eine Fortschreibung ihrer kommunalen Pflegeplanung vor. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau bedarfsgerechter Pflegeangebote, die Unterstützung pflegender An- und Zugehöriger, eine stärkere Versorgung im Quartier und Maßnahmen, die Pflegebedürftigkeit möglichst vermeiden oder hinauszögern sollen. Am 2. September sprach sich die Rostocker Bürgerschaft für das Konzept aus.
Die Pflegeplanung betrachtet den Zeitraum von 2023 bis 2040. Grundlage sind unter anderem die kommunale Bevölkerungsentwicklung und die aktuellen Daten zum Pflegebedarf in Rostock. Ende 2023 lebten in Rostock 14.574 Menschen mit einem Pflegebedarf. Das entsprach 6,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gegenüber 2013 ist die Zahl der Menschen mit Pflegebedarf um ca. 6.800 Personen deutlich gestiegen.
Nach heutiger Prognose kommen bis 2040 weitere etwa 1.300 Menschen mit einem Pflegebedarf hinzu. Bis 2030 werden zunächst mindestens 500 zusätzliche Personen erwartet. Der stärkste Zuwachs wird anschließend zwischen 2035 und 2040 prognostiziert.
Sozialsenator Steffen Bockhahn unterstreicht: „Gesundheit, soziale Teilhabe und gute Unterstützung im Alltag sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können. Die Datenlage des Rostocker Pflegepfads zeigt uns jetzt schon, wie sehr wir Familien mit einer Pflegeaufgabe unterstützen müssen. Eine gute Versorgung kann nicht allein durch professionelle Pflegeangebote gewährleistet werden. Vielmehr brauchen wir das Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure und unterstützende Strukturen im Alltag.“
Die Fachexpertinnen und Fachexperten empfehlen, die vorhandenen Versorgungsstrukturen bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Empfohlen wird unter anderem der Ausbau von Tagespflege, Kurzzeitpflege und stationärer Pflege sowie die Weiterentwicklung ambulant betreuter Wohngemeinschaften. Voraussetzung ist unter anderem, dass ausreichend Pflegepersonal zur Verfügung steht, Eigenanteile bezahlbar sind und Pflege in der Familie organisiert werden kann.
Auch neue und generationsübergreifende Wohnformen sollen stärker in den Blick genommen werden. Dabei soll insbesondere geprüft werden, wie Kooperationen zwischen Pflegeanbietern, Wohnungswirtschaft und der Hanse- und Universitätsstadt Rostock verbessert werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung von Pflegeversorgungsregionen und Quartiersstrukturen. Ziel ist, Pflege und Unterstützung stärker mit dem sozialen Leben vor Ort zu verbinden. Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfe, Begegnungsorte und ehrenamtliches Engagement spielen dabei ebenso eine Rolle wie professionelle Beratungs- und Pflegeangebote. Ein Schwerpunkt ist unter anderem der Stadtteil Schmarl im Nordwesten. Dort sollen Versorgungsketten entwickelt, Informationslücken untersucht und Helferkreise, Nachbarschaftshilfen und Selbsthilfegruppen unterstützt werden. Auch bestehende Projekte der Altenhilfe werden zukünftig stadtweit erreichbar sein.
Der Pflegepfad richtet den Blick ausdrücklich auch auf Menschen, die Angehörige oder Zugehörige pflegen. Geplant sind unter anderem ein besserer Zugang zu Informationen über Unterstützungs- und Entlastungsangebote, die Förderung von Nachbarschaftshilfe und Selbsthilfe, Angehörigenschulungen sowie der Aufbau eines Netzwerks für pflegende An- und Zugehörige. Auch Arbeitgeber sollen für die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle sensibilisiert werden.
Pflegekoordinatorin Anne Ewald und Sozialplaner Daniel Jarohs betonen: „Pflegeplanung bedeutet für Rostock nicht nur, zusätzliche Pflegeplätze zu schaffen. Hier sind dem Gestaltungswillen der Hanse- und Universitätsstadt Rostock durch den Markt und Wettbewerb ohnehin deutliche Grenzen gesetzt. Hauptaufgabe der Stadtverwaltung Rostock ist, Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuzögern oder soweit wie möglich zu vermeiden. Deshalb setzt der Pflegepfad auch auf Gesundheitsförderung, Mobilität, soziale Teilhabe und Maßnahmen gegen Einsamkeit. Der Aufsuchende Seniorendienst sowie bestehende Angebote in den Stadtteilen sollen dabei weiterentwickelt und verstetigt werden.“
Ein weiterer Schwerpunkt des Pflegepfads liegt auf der Transparenz der vorhandenen Angebote. Geplant ist unter anderem eine eigene Informationsseite auf der städtischen Internetseite zu den Themen „Älterwerden und Pflege“. Auch eine Einbindung in die Rostock-App sowie Informationen über soziale Medien, den Städtischen Anzeiger sowie die Aktualisierung der Broschüre „Älter werden in der Hanse- und Universitätsstadt Rostock“ sind geplant. Der „Rostocker Pflegepfad“ versteht sich dabei als gemeinsamer Arbeitsplan von Stadt, Land, Pflegekassen, Pflegeanbietern und weiteren Akteuren.
Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Gesundheit & Soziales | Mi., 21.01.1970 - 17:46 Uhr | Seitenaufrufe: 1« zurück zur News-Übersicht