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Quelle: OSTSEE-ZEITUNG | Mi., 04:31 Uhr

MOINS schafft neue Perspektiven für die Obdachlosenhilfe

Rostock (HRPS) • Die Rostocker Obdachlosenhilfe steht auf einer neuen Säule. Mit dem Projekt MOINS, das ausgeschrieben „ Menschen vor Obdachlosigkeit intelligent schützen“ bedeutet, geht die Hanse- und Universitätsstadt neue Wege – ergänzend zu bereits bestehenden Angeboten.

Das Projekt wird mit 2,5 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt. Über einen Zeitraum von vier Jahren werden dabei vier Einzelmaßnahmen umgesetzt. So wird Rostock als erste Kommune in Mecklenburg-Vorpommern das „Housing First“-Konzept umsetzen. Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht oder bereits betroffen sind, bekommen eine feste eigene Wohnung. Sie werden bei dem Prozess engmaschig begleitet und von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiten, dem psychologischen Dienst und Kolleginnen und Kollegen aus dem Amt für Soziales und Teilhabe der Hanse- und Universitätsstadt Rostock betreut.

In Rostock leben nach aktuellen Schätzungen derzeit zirka 60 bis 80 obdachlose und knapp 300 wohnungslose Menschen. 2023 haben insgesamt 597 Personen die Wohnungslosennotfallhilfe in Anspruch genommen. Hinzu kommen Obdachlose, die Hilfsangebote ablehnen sowie die „nicht sichtbaren Obdachlosen“, die im Stadtbild untertauchen oder temporäre Unterbringungen bei Freunden und Familie nutzen. Zu den statistisch nicht erfassten Wohnungslosen zählen auch Personen, die in Gartenanlagen oder ähnlichen provisorischen Unterkünften Unterschlupf finden. „Wir haben bereits gute bestehende Strukturen, starke Netzwerkpartner in der Obdachlosenhilfe und doch gelingt es uns nicht, alle Betroffenen mit unseren Angeboten aufzufangen“, verdeutlicht Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn und ergänzt: „Die Gemeinschaftsunterbringung in Obdachlosenasylen wird in Rostock stark nachgefragt.

Die Anschlusshilfen sollen nur für eine begrenzte Zeit genutzt werden, doch die Realität ist oft eine andere. Wenn es uns innerhalb der ersten eineinhalb Jahre nicht gelingt, das Leben der Betroffenen wieder in geregelte Bahnen zu lenken, bleiben sie in der Regel viele Jahre obdachlos.“ Housing First setzt also dort an, wo andere Hilfsangebote nicht weiter kommen. Das Konzept versteht Wohnen als Menschenrecht. Es wurde auf Grundlage eines Prüfauftrags der Rostock Bürgerschaft an das Am für Soziales und Teilhabe entwickelt und ist in engem Austausch mit dem Bundesverband „Housing First“ und dem „Housing First“ Projekt in Berlin erarbeitet worden.

„Wir sind froh, dass unser MOINS-Projektantrag bewilligt wurde und wir Housing First umsetzen können“, sagt Anika Leese, Leiterin vom Amt für Soziales und Teilhabe. Losgehen soll es bereits Ende dieses Jahres. „Darüber hinaus bauen wir eine zentrale Fachstelle für Wohnraumerhalt auf. Hier geht es vor allem ums Netzwerken, um die Entwicklung von Standards, um Kooperationsvereinbarungen, beispielsweise mit den örtlichen Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften.“ Zusätzlich beinhaltet MOINS zwei Digitalisierungsvorhaben: Die Digitalisierung von Beratungslandschaften und den Aufbau eines Rostocker digitalen Hilfeplans. Für letzteren werden bekannte Einzelfälle wohnungs- und obdachloser Personen analysiert, vorhandene Daten evidenzbasiert ausgewertet, um letztlich Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wann welche Leistungen und Angebote im Hilfesystem wie wirken.

Für die Umsetzung der Projekte sucht die Hanse- und Universitätsstadt Verstärkung im #TeamRostock. Die Bewerbungsfrist endet am 11. Oktober 2024.

Gesucht werden ein*e Teilprojektleiter*in Housing First, ein*e Sozialarbeiter*in Housing First und ein*e Sachbearbeiter*in Wohnraumbeschaffung Housing First.

Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Gesundheit & Soziales | Mi., 21.01.1970 - 00:49 Uhr | Seitenaufrufe: 0
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