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Bäume in der Trockenheit

Rostock (HRPS) • In den kommenden Tagen wird es noch einmal extrem heiß und trocken. Eine durchgreifende Wetteränderung mit ausreichend Regen ist weiterhin nicht in Sicht. Die wohl längste nachweisbare Dürre im Raum Rostock ist Teil des Klimawandels.

Holger Matthäus, Senator für Bau und Umwelt der Hanse- und Universitätsstadt, ruft dazu auf, sich den Bäumen unserer Stadt zu widmen: „Besonders unsere Stadtbäume können durch Schattenwurf und Wasserverdunstung für ein noch erträgliches Mikroklima sorgen. Dazu ist jeder Wassereinsatz durch Anwohnende eine große Hilfe." Senator Holger Matthäus weiter: „Bitte beteiligen Sie sich und helfen unseren Bäumen mit einer abendlichen Gießkanne! Zukünftig werden wir verstärkt auf Bewässerungssäcke zurückgreifen müssen, die in z.B. in Kopenhagen häufig eingesetzt werden.“


Das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege hat Antworten auf die häufigsten Fragen zu diesem Themenkomplex zusammengestellt.

[strong]Wie werden die Bäume in der Hansestadt Rostock gewässert?[/strong]


Gewässert werden Jungbäume, da diese unter der Trockenheit am meisten leiden, denn sie haben noch nicht so ein ausgeprägtes Wurzelsystem, welches in tiefere Bodenschichten reicht. Alle Jungbäume, die durch beauftragte Firmen gepflanzt wurden, werden i.d.R. im Rahmen der Gewährleistungspflege gewässert (insgesamt zwei bis drei Jahre). Durch eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden täglich 2.600 Liter Wasser zu den Neupflanzungen von 2017 und 2018 gebracht. Dies erfolgt inzwischen überwiegend durch Bewässerungssäcke, aus denen das Brunnenwasser durch kleine Öffnungen tröpfchenweise ins Erdreich abgegeben wird. Dadurch kann oberirdisch nicht so viel Wasser „weglaufen“ und die Feuchtigkeit bleibt länger im Boden erhalten. Jeder Baum bekommt mindestens 200 Liter Wasser pro Bewässerungsgang. Zum Wässern von Altbäumen reichen die Kapazitäten im Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege nicht. Jede Rostockerin und jeder Rostocker, die bzw. der also zusätzlich einen Baum vor seinem Haus wässert, tut etwas Gutes und unterstützt nicht nur die Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner, sondern in erster Linie die Bäume.

[strong]Wie stellen sich Bäume auf die Hitze und die Trockenheit ein?[/strong]


Natürlich leiden auch die Altbäume unter der lang anhaltenden Trockenheit, aber die unterschiedlichen Arten haben bestimmte Strategien entwickelt, damit umzugehen. So trennen sich Baumarten, wie Pappel und Weide, manchmal von Grünästen, um nicht so viel Kronenvolumen versorgen zu müssen. Derartige Grünastbrüche sind nicht vorhersehbar, darum können sie auch nicht verhindert werden. Die Linde wiederum reduziert ihre Versorgungsmasse, in dem sie Laub absterben lässt. Vorher entzieht sie den Blättern den grünen Farbstoff, also das Chlorophyll. Besagte Blätter färben sich dann sichtbar gelb. Die Silberlinde besitzt auf der Blattunterseite eine weißlich-filzige Behaarung, welche als Verdunstungsschutz fungiert, wenn sie die Unterseite zur Sonne dreht. Dies ist jetzt vielerorts zu sehen, besonders in der Oberkrone. Viele andere Gehölze rollen das Laub ein, wie z.B. der Rhododendron, auch um die Verdunstungsoberfläche zu verkleinern.

[strong]Hat die abgeworfene Rinde an den Platanen auch etwas mit der Trockenheit zu tun?[/strong]


Die Rinde bei Platanen ist generell abblätternd. Dies geschieht durch Dickenwachstum des Stammes. Dieses zu beobachtende Phänomen hat nichts mit der Trockenheit zu tun, sondern es ist eine typische Lebensäußerung der Platane. Darüber hinaus kommt diese Baumart mit der Trockenheit sehr gut zurecht.


Auch andere Baumarten, die jetzt trockenes und braunes Laub zeigen, sind nicht immer durch die Trockenheit geschädigt. Zum Beispiel sind die Kastanien bereits durch die Rosskastanienminiermotten befallen, Ulmen durch das bekannte Ulmensterben und Ahorn an einigen Stellen durch Streusalzschäden geschwächt. Auf diese Weise können die Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner auch feststellen, in welchen Straßen Hauseigentümer illegal mit Streusalz im vergangenen Winter gearbeitet haben.


Insgesamt sieht man aber natürlich den Bäumen durch welkes Laub den Trockenstress trotzdem an.

[strong]Wie wird bereits bei Baumpflanzungen darauf geachtet, dass die Klimaerwärmung uns zukünftig vielleicht häufiger solche Sommer wie diesen beschert?[/strong]


Die heimischen Baumarten funktionieren leider nicht mehr uneingeschränkt an den Stadtstandorten, deshalb wird bei der Baumpflanzung bereits auf Baumarten aus anderen, wärmeren Regionen zurückgegriffen. Besonders die fiederblättrigen Baumarten sind gut geeignet. In der Doberaner Straße befinden sich z.B. Schnurbäume, die in diesem Jahr wunderschön geblüht haben, und am Hauptbahnhof die Blasenesche, deren Blüte auch gerade erst vorbei ist. Aber auch Götterbäume und Robinien kommen mit dem Stadtklima gut zurecht. Darüber hinaus wird bundesweit ein Straßenbaumtest durch den Arbeitskreis Stadtbäume der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) durchgeführt, an dem sich Rostock beteiligt. Dort werden Baumarten und -sorten getestet, die neben Resistenz gegen Krankheiten und Schädlingen auch gute Verträglichkeit gegenüber Hitze und Trockenheit besitzen. Zu diesen Testpflanzungen gehören z. B. die dreilappigen Apfelbäume in der Baleckestraße oder die Silberlinden in der Ostseeallee.

Quelle: HRO-News.de | Rubrik: Umwelt & Natur | So., 18.01.1970 - 18:59 Uhr | Seitenaufrufe: 0
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